Das Computerarchiv - und wie alles begann...

zuse-z3
Es war einmal vor vielen Jahren...

Da stellte Konrad Zuse im Jahre 1943 aus 2.300 Relais das erste programmierbare elektrische Rechengerät fertig. Die erste funktionierende Konstruktion, welche nach heutigen Maßstäben den Namen “Computer” verdient.
Schon bald folgten riesige, mit Röhren und Relais arbeitete Schaltschränke, die einen Stromverbrauch wie ganze Dörfer hatten. Jahre später entstanden in kalifornischen Garagen und Hinterhöfen kleine elektronische Rechengeräte mit Arbeitsspeicher, Festspeicher und grafischen Ausgabeeinheiten. Die endlich von einer Person tragbaren “Personal Computer”. Diese Geräte veränderten die ganze Welt. Und sie tun dies heute noch nachhaltig. Gemäß dem Moor’schen Gesetz verzeichnete die Fachwelt seitdem alle zwei Jahre eine Verdopplung der Rechenkapazität. Ein Trend, der anscheinend noch immer anhält.

Genau diese Geräte wurden Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auch zu einer meiner Freizeitbeschäftigungen. Viel Zeit und wenig Familie führten zu exzessiven Zocker- und Bastelorgien. Und im Laufe der Jahre zu vielen Erkenntnissen. Mein Hauptinteresse galt von Anfang an nicht den Exoten wie selbstkompilierten Linux-Kerneln, sondern den am häufigsten anzutreffenden Systemen - intel- und microsoftkompatible Rechengeräte für Jedermann.

Mein erster eigener Computer war ein 386er-Intel mit der sagenhaften Taktfrequenz von 25 Mhz und gigantischen 4 MB Arbeitsspeicher. Entwickelt von der damals sehr erfolgreichen Firma Highscreen. Bereits vorher oder eigentlich gleichzeitig lernte ich schon die Commodore- und Amiga-Rechner kennen. Ein guter Freund hatte einen “C 64” und mein Vater einen “Amiga1000” mit einer opulenten 20 MB Festplatte! 1991 war das noch ein echtes Highspeed-Gerät zum Angeben. :-)

Im Lauf der Zeit sah ich so manch Schneider- oder Atari-Computerchen werkeln und erlebte Aufstieg sowie Fall von inzwischen fast vergessenen Betriebssystemen wie zum Beispiel IBM’s “OS/2”. Ich war Fan fortschrittlichster Software-Applikationen und Spezialist für die obergeniale Textverarbeitung “Lotus Amipro” (später Wordpro) und die Tabellenkalkulation “Quattro Pro” von Borland. Aber der Erfolg von heutigen Globalplayern entstand damals weniger durch Innovationen, als vielmehr durch geschickte Aufkäufe oder besseres Marketing. Manch gutes Produkt verschwand unverdienterweise in der Versenkung, um einem mächtigeren Konkurrenten Platz einzuräumen.

Von Anfang an fesselte mich die Möglichkeit, dass sich Computer miteinander vernetzen ließen. Und es dauerte gar nicht lange, dass sich mein Traum in die Wirklichkeit umsetzen ließ. Einmal in meinem Leben von meiner Heimat aus per Datenstrom durch eine Telefonleitung zu flitzen und im fernen Japan wieder aufzutauchen. Damals exotisch, heute eine Sache von wenigen Mausklicks. Kaum jemand mag sich heute noch vorstellen, wie langsam das damals alles war. Daten waren in den Anfängen des Internet mit “satten” 1.2 kb/s unterwegs! Highspeed-DSL-Verbindungen des Jahres 2005 können dagegen Datenströme mit bis zu 16.000 kb/s transportieren. Wissenschaftliche oder militärische Netzwerke noch weitaus zügiger.

Als das WorlWideWeb gerade laufen lernte, existierten bereits viele andere Verbund-Netzwerke wie zum Beispiel das Fidonet.
 Was fanden wir Fidonet’ler doch das Internet damals für eine überflüssige und langsame Geschichte. Seltsame Dinge liefen dort ab. E-Mails und News wurden vor der Übertragung nicht einmal komprimiert. “Langsam”, schwerfällig” und “ungeordnet”.
So bezeichneten wir die Technologie, die wir heute Internet nennen. Wie cool war es dagegen, an unbekannten Mailboxen (auch BBS genannt - Server mit Homepage-ähnlichen Oberflächen) anzudocken und dort mit dem Admin zu chatten, in Foren oder Newsgroups zu posten, Software oder Bilder zu laden oder einem “Node” (ehrenamtlicher Knotenpunktverwalter) bei seinen administrativen Aufgaben zu unterstützen.

Nun denn, die Erde dreht sich weiter und die Computerei wurde zu dem, was sie heute ist. Kleine PC’s, die in eine Handtasche passen. Dabei viel leistungsfähiger und billiger als die Großrechner der Altzeit, dessen Platzbedarf noch bei mehren Etagen einer Fabrikhalle lag. Aus den ersten unförmigen und schweren Laptops (deshalb auch gern “Schlepptopps” genannt) wurden Slimline-Notebooks oder multifunktionale Organizer. Ein Multimedia-Handy hat inzwischen eine bessere Rechenleistung als ein Commodore C64, bei dem man die Programme erst einzeln über mehrere 5,1/4Zoll-Disketten laden musste. Das Internet vergrößerte sich explosionsartig und ist heute noch unübersichtlicher als zu Beginn.

Torvalds offenes Betriebssystem “Linux” verließ die Bastelstuben und begann, die Konsumer-Welt zu erobern. Doch trotz des schönen Torvald-Spruchs “Software just like Sex, it’s better than free”, rauschte die ganze Linux-Geschichte glatt an mir vorbei. Ich wollte nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Spezialisierung mit dem Blick aufs Große ist besser als das Gießkannenprinzip. Schon allein der Markt der MS Windows-Applikationen ist inzwischen so komplex, dass ihn keine Einzelperson mehr fassen kann. Da brauchte ich doch kein zusätzliches Linux, Solaris, Mac/OS, BeOS, OpenBSD, NetBSD, Dragonfly oder was auch immer.

Über die Jahre hinweg sammelten sich bei mir immer mehr Tipps und Tricks an. Hingekritzelt auf Zettelchen oder an Seitenrändern von Büchern. Ideen, wie man das eine oder andere Problem’chen lösen könnte, was bei einem Eigenbau zu beachten ist, wie Geräte und Anwendungen schneller und stabiler laufen, wie man Daten schützen oder unliebsame Zeitgenossen auch mal elektronisch ärgern kann. Mit Freunden und Bekannten werkelten wir oft nächtelang, bis die behandelten Rechenknechte wieder liefen oder Daten wieder lesbar waren. Meinen extra gegründeten Nebenjob “Computernotdienst Dresden” mußte ich allerdings bald mangels Zeit wieder einstellen. Will man so etwas richtig machen, geht das nur als Fulltime-Job.

Meine Bequemlichkeit brachte mich aber immerhin dazu, die wilde Zettelei zu sortieren und im Internet zu veröffentlichen. So hatte ich sie nicht nur für mich überall und immer parat. Andere konnten ebenfalls daran teilhaben und ich brauchte mir nicht mehr ständig den Mund über die gleichen Dinge fusselig zu reden.

Und heute? Heute streife ich immer noch im Netz der Netze herum, setze Computer neu auf oder optimiere so dies und das. Aber andere Hobbys haben sich ebenfalls ihren Anteil an der sowieso viel zu knapp bemessenen Freizeit zurückgeholt...

Zwischendurch gab es auch noch ein mehrjähriges berufliches Intermezzo in einer Einrichtung, die sich eigentlich sehr gründlich mit Dingen wie Datensicherheit und so weiter beschäftigen müsste. Einfach, weil das in ihrer Branche nämlich ihr eigentlicher Arbeitsgegenstand ist. Das Intermezzo endete allerdings mit einer Verbannung in ländliche Gefilde und der Einsicht, dass so mancher Chef eben doch ein prima Beispiel für das Peter-Prinzip abgibt. Aber auch diese Zeit ging vorüber und meine Lebenserfahrung ist wieder einmal bereichert worden. Und weil das Leben bekanntlich aus Chancen besteht, die man nur nutzen muss, sehe ich wie ein Stehauf-Männlein immer noch unerschütterlich und voller Tatendrang in die Zukunft. Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Und hin und wieder lache ich leise in mich hinein, wenn sich die alten Männer von damals immer noch die Butter vom Brot klauen lassen.

Während einem der vielen Re-Designs meiner Homepage wollte ich zwischendurch schon mal die Rubrik “Computer” gar nicht mehr Online stellen. Aber irgendwie tat es mir dann doch Leid um die viele bereits getane Arbeit. Schließlich ist Webseiten bauen keine Sache von fünf Minuten. Und so bleiben viele der in den vergangenen Jahren angehäuften Informationen als “Archiv” weiter öffentlich erhalten. In naher Zukunft schon nur noch als Zeugnis einer längst vergessenen Zeit. Denn es kommt nichts neues mehr dazu... zumindest nicht online ;-)

-Stand der Dinge: 2007 -