Blaue Floridaflusskrebse (Procambarus alleni)

Mehr oder weniger zwangsläufig musste ich eines schönen Tages meine zwei bis dahin getrennt lebenden Blauen Flori’s zusammenzulegen. Das 120-Liter-Becken war ausgelaufen. Ich ging davon aus, das in einem 400-Liter-Becken genügend Platz vorhanden sein müsste. Aber hin und wieder hatten sie sich doch herzhaft in der Wolle. Dann schepperte es hörbar, wenn einer mal wieder mit dem Panzer gegen die Scheibe krachte. Es ging schon recht heftig zur Sache.

Zu dieser Zeit war ich noch im Glauben, zwei Männchen zu haben. Schließlich hatte mir ja ein Verkäufer erklärt, dass sich die Geschlechter an der Zahl der Schwimmbeinpaare unterscheiden lassen.
Und meine zwei Blaulinge hatten ja beide jeweils drei von diesen großen Beinpaaren...
Ich hätte mal genauer nachlesen sollen. Erst auf einer toll gestalteten Spezialwebseite und viel später wurde mir klar, dass Schwimm- und Schreitfüße zwei völlig unterschiedliche Dinge sind ;-
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Die Wochen vergingen und ich erfreute mich meiner beiden Prachtburschen, von denen einer sogar die senkrechte Felswand im Hintergrund hinaufklettern konnte. Die anderen Mitbewohner des Aquariums hatten im Großen und Ganzen ihre Ruhe vor diesen Burschen. Logisch, schließlich sind Flusskrebse nicht eben flinke Jäger. Sie ernähren sich vorwiegend von Aas, Detritus und Pflanzenteilen - von Resten eben.

Doch dann entdeckte ich an einem Tier eine seltsame Verfärbung des Panzers. Eine Krankheit? Nun, wie man’s nimmt. Das Tierchen war wohl in Hochzeitslaune und hatte sich schon mal in die Brautkleidschale geworfen.

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Dann habe ich sie schließlich in eindeutiger Position erwischt! Von wegen “streiten”! Der elementarste aller Triebe kam durch und übernahm die Macht!!

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Danach gingen beide getrennte Wege und besonders die junge Dame zog sich immer mehr zurück.
Etwas später dann die dicke Überraschung: Frau Krebs lief mit einem eingerolltem Heckruder umher. Und darunter in dunklen Trauben ihre Kinderschar. An Schwimmbeinen geklebt und gut geschützt vom mächtigen Panzer des Schwanzes waren die empfindlichen Larven auf diese Weise immer ganz nah bei Muttern.

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Nach einiger Zeit lief die Dame des Hauses jedoch wieder ganz normal umher und kletterte mit einem traubenfreien Schwanz überall herum. Ich verdächtigte schon andere Aquarienbewohner, böses getan zu haben.

Aber es kam ganz anders. Wie ein Schneekönig im Winter freute ich mich, als ich eines Tages unter einer Pflanze eine Miniausgabe von Krebs ganz munter umherkrabbeln sah. Und dann entdeckte ich nach und nach immer mehr von ihnen, insgesamt über vierzig Stück.

Die kleinen Racker zerzausten mir zwar die Unterwasserflora. Aber sie dezimierten auch meinen nun wirklich überflüssigen Schneckenbestand auf nahe Null. Nun ja, über vierzig Krebse - die sind schon ein Macht. Ich musste bald etwas tun, denn den ramponierten Pflanzen ging nun langsam die Puste aus... Also siedelte ich die schnellwachsenden Tierchen in ein 60er Hälterbecken um. Das ging schwerer als gedacht, denn die Tiere sind irrsinnig schnell und sehr schlau. Oft gelang es mir an einem Tag nur drei oder vier Stück umzusetzen. Danach waren die Herrschaften schon weg, sobald ich meinem Kescher nur ins Wasser getaucht hatte. Ich musste tatsächlich immer mindestens drei Tage abwarten, bevor sie ihre Scheu vor dem Kescher wieder verloren...zumindest kurzfristig...

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Ein größeres Hälterbecken als das 60-Liter hatte ich leider nicht zur Verfügung. Um den kleinen blauen Rittern dennoch Rückzugsmöglichkeiten einzuräumen und drohenden Kannibalismus einzudämmen, entwickelte ich schließlich ein Krebshochhaus. Okay, alles nur Einraumwohnungen und ohne Türen - aber immerhin mit fließendem Wasser :-) Ich verwendete Kunststoffrohre, die mit einem (sauteuren) Spezialkleber verleimt wurden. Nun konnten sie in relativer Ruhe ihre jugendliche Größe von vier bis sieben Zentimetern Körperlänge (also ohne Scheren) erreichen.

Und dann ging es in großen Gläsern und Dosen für alle in die weite Welt hinaus. Mal als Geburtstagsgeschenk, mal als nette Überraschung für den lieben Freund oder sich selbst und einmal auch als Gesellschaft für bereits vorhandene Artgenossen.

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“Du gugge ma, der Bus kommt glei...” - “Jo, Alda... dann ma ab in die neue Bude.”